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Zurück aus... Libyen
Jerome Blösser und ein ausgewähltes Team haben Anfang 2010 als dritte Expedition überhaupt das menschenleere Sandmeer Erg Mourzouk in Libyen mit Kamelen durchquert...
Der Erg (libysch Edeyen) Mourzouk, ein Dünenmeer von etwa 58.000 m2 Größe, liegt im Zentrum eines flachen, tektonisch bedingten Beckens. Im Mourzouk wurden die heißesten jemals auf der Erde gemessen Temperaturen erfasst: Am 13. September 1922 stieg das Thermometer bis auf 58 Grad im Schatten. Und um es klar zu stellen: Im Mourzouk gibt es durch fehlende Vegetation logischerweise keinen Schatten! Das Dünenrelief des Ergs zeigt von Nordosten her den Übergang von einer ebenen Sandtenne zu riesigen Längsdünen. Diese gehen in Richtung West-Nordwest zuerst in ein Gitter von bis zu 300 Meter hohen Draas (Langsdünen) über und im äußersten Nordwesten in Sterndünen. Der Edeyen von Mourzouk ist ein alter Erg, der heute nicht mehr ernährt, sondern abgebaut wird. Auf den Felsflächen und Dünen wurden zahlreiche archäologische Funde aus der Alt- und Jungsteinzeit gemacht. Sie belegen, dass dieses Gebiet mehrfach, zuletzt im Neolithikum, von Rinderhirten besiedelt war. Heute ist es völlig menschenleer. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Mourzouk zum ersten Mal durchquert, und keine Karawanenroute hat je durch diese unzugängliche Region geführt. Im Januar 2010 startete ein einmaliges Abenteuer: Gemeinsam mit 12 ausgesuchten Teilnehmern, 5 Tuareg und 25 Lastkamelen durchquerte Wüstenprofi Jerome Blösser den berüchtigten Erg in Libyen. Große Herausforderungen erwarteten das Team, denn rund 250 Kilometer sollte es keine Anzeichen von Leben in diesem menschenfeindlichen Sandmeer mit seinen bis zu 300 Meter hohen Dünen geben.
Keine Wasserstellen und kein Futter für die Kamele. Die Expeditionskarawane musste alles mit sich führen: Proviant, Ausrüstung, Kamelfutter und insgesamt 1.750 Liter Wasser. Die Routenplanung orientierte sich an den natürlichen Gegebenheiten, denn zwischen den majestätischen Dünenfeldern durchziehen kleine Täler die Landschaft. Diese flachen und somit leicht zu passierenden Flächen sollten maximal genutzt werden bei der schwierigen Durchquerung. Also ging es von Nordosten in südwestliche Richtung. Der Startpunkt lag etwas westlich des Ortes Mourzouk, wo die Kamele ein letztes Mal für knapp drei Wochen an einem Brunnen ihre Wasserspeicher füllen konnten. Die Karawane hatte dann maximal 19 Tage Zeit, um ihr Ziel am Pass von Tilemsine zu finden, wo uns die Fahrzeuge mit frischem Obst, Wasser zu einem großen Abschiedsfest am Rand der Dünen erwarten würden!
Um Wasser zu sparen, wurde die kühlste Jahreszeit ausgesucht. Im Januar liegen die Tagestemperaturen meist unter 25 Grad und es ist sogar mit Nachtfrost zu rechnen. Pro Teilnehmer waren 4,6 Liter Wasser kalkuliert. Diese Menge musste zum trinken und gleichwohl kochen ausreichen. Dass ausgiebiges Duschen damit nicht möglich sein würde, verstand sich von selbst! „Normales“ kochen verbraucht in der Regel viel Wasser zum Spülen etc, deshalb war die Expedition mit spezieller Outdoor-Nahrung von Katadyn/ Trek n Eat unterwegs. Einige Gläser Nutella und frisches Obst, welches sich mehr als 10 Tage hielt, durften im Gepäck nicht fehlen.
Das lokale Begleitteam bestand aus den 4 Tuareg Issa, Kusu, Hassan und Alla, sowie dem Touristenpolizisten Ahmed. Ahmed war durchaus reiseerfahren, hatte aber noch nie! Zu Fuß längere Strecken zurückgelegt. So kam er am ersten und zweiten Wandertag eine geschlagene dreiviertel Stunde nach uns am Camp an… Ein echtes Problem, denn was würden wir tun, wenn er inmitten des Dünenmeers auf einmal schlapp macht!? Die Tuareg gaben ihm ab Tag 3 ein eigenes Kamel – und siehe da: Es wirkte wie ein Schrittmacher auf Ahmed, der ab diesem Moment immer mit der Gruppe lief. Wovor uns der Touristenpolizist „beschützen“ sollte in einer Region, wo in 100 Jahren gerade einmal 3 Expeditionen durchkommen, war uns jedoch bis zum letzten Tag ein Rätsel. Stadtmensch Ahmed schien am Nomadenleben immer mehr Gefallen zu finden und so kullerten bei ihm am Schluss sogar Tränen beim Abschied aus den Dünen!
Der Tagesablauf gestaltete sich meist gleich: Frühes Aufstehen, was bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht immer eine Freude war, Frühstücken und dann teilte sich das Team auf. Die Expeditionsleitung Jerome und sein holländischer Kollege Roelant gingen eine Stunde vor der Karawane los, um geeignete Passagen durch die teils sehr schwierigen Dünenfelder zu finden. Für Jerome war es das erste Mal in fast 20 Jahren Wüstenabenteuer, dass er die Ehre und das große Vertrauen der Tuareg hatte, vor Ihnen gehen zu dürfen, um den Weg zu finden. Die Verantwortung für die beiden Expeditionsleiter war immens, denn 19 Menschen und 25 Kamele waren eine wertvolle Fracht, die es galt, gesund nach Hause zu bringen. Manches Mal lief die Wegsuche sehr gut aber an einigen Tagen war der Vorsprung auf die Kamele bereits am ersten Dünenfeld aufgebraucht, da einfach keine passable Strecke für die schwer beladenen Lasttiere zu finden war. Zwischen der Vorhut und der Karawane liefen nochmals 2-4 Teilnehmer im Sichtabstand zur großen Gruppe, um den Tuareg Zeichen geben zu können, wo die exakte Route lang führt. Jerome und Roelant navigierten größtenteils auf Sicht mit Hilfe von hervorragenden und sehr detailgenauen Satellitenkarten. Ab und zu musste mit Kompass nachjustiert werden und das GPS kam oft erst am Abend zum Einsatz, wenn die Tagesstrecke gemessen werden musste.
Das Projekt Mourzouk 2010 war keine gewöhnliche Urlaubsreise, sondern eine Karawane mit Expeditionscharakter. An die Teilnehmer wurden hohe körperliche und geistige Anforderungen gestellt. Teamgeist und aktive Mitarbeit beim Be- und Entladen der Kamele, Lageraufbau, Trassierung möglicher Passagen mit Schaufeln für die Karawane, Kochen etc. wurden von allen verlangt und es funktionierte ausgezeichnet. Nach einigen Tagen des „Übens“ z.B. beim Beladen der Kamele, lief das Unternehmen Karawane wie ein Uhrwerk. An den besten Tagen schafften wir 25 Kilometer, an anderen trotz größter Anstrengung nicht einmal 10. Erstaunlich waren die gemessenen dreitausend Höhenmeter, die wir auf der Route hochstiegen, wenn man bedenkt, dass wir ja nur in Dünen und nicht im Bergland unterwegs waren.
Im Zentrum des Dünenmeers entdeckten wir dann ein wahrhaft gigantisches Freiluftmuseum: Hier lagen unzählige Faustkeile, Pfeilspitzen, Siedlungsreste und Reibschalen, die meist aus der Jungsteinzeit, teilweise aber sogar mehr als 300.000 Jahre alt waren. Der Mourzouk ist erst seit ca. 10.000 Jahren so, wie wir ihn kennen. In der Vorzeit war die Region grüne Savanne und es gab hier weite Seengebiete. Wohlbehalten und mit reichlichen Wasserreserven erreichten wir dann nach 17 Tagen unser Ziel. Beim Anblick der ersten dunklen Steinformationen des Berglandes am Rande des Dünenmeeres sangen und johlten alle vor Freude. Die letzten Tage verbrachten wir dann noch in der zum endlosen Sand kontrastreichen Landschaft des Akakusgebirges, bevor es via Tripolis zurück nach Deutschland ging.
Das Abenteuer Mourzouk wird allen, egal ob Jerome, den Tuareg oder dem tollen Team sicher lange in Erinnerung bleiben. Solch eine gelungen Expeditionsreise ruft natürlich nach einer Fortsetzung und Jerome ist schon wieder an der Vorplanung für das nächste Wüstenabenteuer! Wenn auch Sie Libyens fantastische Landschaft und seine sehr gastfreundlichen Tuareg kennenlernen möchten, empfehlen wir Ihnen unsere klassischen Karawanenreisen. Hier wandern Sie auf einem moderaten Niveau gemeinsam mit erfahrenen Begleitern durch die schönsten Regionen und entdecken den Reichtum in der Reduktion der Dinge. Eine Übersicht unserer Libyenreisen finden Sie durch Klick auf den nachfolgenden Link
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